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... Zum jüngeren Spross der Familie gehört Daniel Imbach. Seinem Werk begegnen wir zuerst im unteren Bereich der Ausstellung mit einem kleinen Objekt, das quasi die Skizze zur interaktiven Installation „Bummzagg“ im Dachstock ist. Im zweiten Stock des Künstlerhauses sind weitere solche Modelle ausgestellt. Ein Objekt besteht jeweils aus einer Puppe, die zwischen zwei Latten in Lederriemen, Gummifetzen oder Ketten schwebt. Aus dem Kopf einer Puppe wachsen goldene Wurzeln, die das Reisen des Geistes jenseits unseres Verständnisses von Raum und Zeit symbolisieren. Das Wurzelwerk steht auch für die Verbundenheit des Künstlers mit seinen Vorfahren, besonders dem Grossvater, der zum Vergnügen Wurzelstöcke im Wald zu sprengen pflegte.

Neben diesen Objekten befindet sich im zweiten Stock die Toninstallation. Zu hören sind Ausschnitte aus Interviews mit einer Bewegungstherapeutin, einem Psychotherapeuten und „Schamanen“, einem Techno- DJ, einem Soziologen und zweier Vertreter von Drogenpräventions-Institutionen. Sie erläutern ihre Erfahrungen zur Thematik des „Zeitreisens“ mit Hilfe von Bewegung, Rhythmus, Monotonien oder Drogen. Während wir auf einen kleinen Filmausschnitt schauen, hören wir über einen Kopfhörer diese unterschiedlichen Stimmen. Mit dem rechten Ohr versucht man anfangs noch den sprachlichen Inhalt des Redners zu erfassen, während das linke Ohr einem anderen Sprecher zu folgen versucht. Mit etwas Aufmerksamkeit gelingt das anfangs recht gut. Eine Stimme empfindet man vielleicht angenehmer als die andere, aber mit der Zeit stellen sich Ermüdungserscheinungen ein und man hört nur noch Stimmen, Sprachrhythmen und verzichtet schliesslich auf das Verstehenwollen. Die Sprache wird zum „Hör-Spiel“ und erinnert ganz entfernt an Ionescos surreal- absurden Theaterstücke aus den 1950er Jahren.  Die tägliche Informations-überflutung, die den Geist und die Sinne zudröhnt und Leere zurücklässt.

Der Aufstieg zum Dachstock des Künstlerhauses mahnt an die verbotene Tür im Märchen. Geheiminisvoller roter Lichtschein über der engen knarrenden Holztreppe begleitet den Besucher in eine Kammer mit mittelalterlich anmutenden Einrichtungen und Gehängen. Befinden wir uns in einer anderen Zeit...in einer Folterkammer...im Reich einer Domina...? Was wird hier gespielt?
Daniel Imbach lädt uns mit seiner interaktiven Installation „Bummzagg“  zu einer besonderen Erfahrung ein. Auf einem aufgehängten Holzbrett kann sich der Besucher auf das dicke Schaffell legen, Füsse und Hände, auch den Kopf bequem in herunterhängende Lederschlaufen legen, alles loslassen, sanft schaukeln und den Kopf seitlich hin und her bewegen. Über einen Kopfhörer vernimmt man eine Weile gleichmässige monotone Basstöne im Rhythmus vom Herzschlag, dann verdoppeln sich die Schläge, ergänzt von Hochtönen. Die gleichförmigen Rhythmen erinnern an Techno, der Geist entspannt sich, wird eingelullt in vermeintlicher Aktivität, und nach und nach verliert man den Bezug zu Zeit und Raum und entschwebt in die Leere...

Installationen können vom Künstler erschaffen werden, um Prozesse aus dem Alltag kreativ darzustellen und erfahrbar zu machen, wie es Beuys mit seinen sozialen Skulpturen formulierte. So bezeichnet Daniel Imbach seine Installationen auch als eine „Parodie zum spirituellen Vacuum“.  Die Installation „Bummzagg“ stellt hier mit einem Augenzwinker den Versuch des Menschen dar, über seine Lust, ekstatischen Sex, monotone Klänge, spirituelle Erfahrungen zu machen, durch Zeit und Raum zu reisen.